Schmerzen treten in den unterschiedlichsten Varianten auf, zum Beispiel als Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskel- oder Gelenkschmerzen. Aber nicht nur die Formen des Schmerzes sind vielfältig, auch die Art und Weise, wie Schmerzen wahrgenommen und empfunden werden, ist ganz individuell. So kann die Bewertung des gleichen Schmerzes von „unerheblich“ bis „unerträglich“ schwanken. Einigkeit herrscht allerdings in einem Punkt: Menschen, die unter Schmerzen leiden, möchten, dass diese so schnell wie möglich wieder verschwinden.
Doch Schmerzen haben eine lebenswichtige Funktion: Sie sind Warnsignale des Körpers. Wenn Schmerzen wiederholt oder über einen längeren Zeitraum auftreten, sind sie oftmals ein Alarmsignal des Körpers, das auf eine Erkrankung oder aber auch auf eine seelische Belastung aufmerksam macht. Denn sie entstehen immer dann, wenn mechanische, thermische, chemische oder elektrische Reize einen Schwellenwert überschreiten – also dem Körper Schaden zugefügt wird. Die Ursache von Schmerzen sind Entzündungen, die als Reaktionen auf solche Schäden entstehen können.
Melder, so genannte Schmerzfühler, sitzen in allen Geweben, auch in der Haut und fast allen Organen und werden durch Schmerz-Botenstoffe aktiviert. Über lange Nervenbahnen senden sie Informationen in die wichtige Schaltstation Rückenmark. Wer sich an einer heißen Herdplatte verbrennt, wird die Hand reflexartig zurückziehen, bevor er den Schmerz bewusst realisiert hat. Das Schmerzsignal wird über das Rückenmark weiter ins Gehirn geleitet, wo es in verschiedenen Zentren verarbeitet wird. Ist der Reiz im Thalamus, einem großen Areal im Zwischenhirn, angekommen, wird uns der Schmerz erst als solcher bewusst. Das limbische System – in diesem Hirnbereich werden vor allem Gefühle verarbeitet – bewertet den Schmerz emotional. Die Großhirnrinde lokalisiert den Schmerzort und bewertet die Schmerzstärke. Diese Verarbeitungsvorgänge können, je nach Ergebnis, zum Beispiel die körpereigene Schmerzhemmung in Gang setzen. Dazu sendet das Gehirn Impulse zurück an den Entstehungsort.
Chronische Schmerzen können hingegen entstehen, wenn Schmerzen über einen längeren Zeitraum (länger als drei Monate) bestehen oder immer wiederkehren. Die Chronifizierung entwickelt sich aus einer Überlastung des Nervensystems, das ständig mit dem Reiz „Schmerz“ bombardiert wird. Das Nervensystem begegnet diesem Ansturm mit komplexen Veränderungen: Die Schmerzfühler reagieren auf Schmerzreize empfindlicher und senden auch bei schwachen Reizen ein Schmerzsignal. Die schmerzhemmenden Signale aus dem Gehirn hingegen werden schwächer. Allmählich kommt es zu einer Entkoppelung der Schmerzen von ihrer Ursache. Auch wenn die ursprüngliche Verletzung abgeheilt ist, bestehen die Schmerzen weiter, denn das Nervensystem hat „Schmerz“ gelernt. Eine Chronifizierung des akuten Schmerzes kann durch eine rechtzeitige und effektive Behandlung verhindert werden.
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